Einblick in die Förderung eines Kindes im Autismus-Spektrum

Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) sind so vielfältig wie die Menschen, die damit leben. Einer von ihnen ist Yilmaz. Der Grundschüler hat neben ASS auch ADHS – eine häufige Kombination. „Viele Menschen im Autismusspektrum haben weitere neurodivergente Ausprägungen. Deshalb betrachten wir jeden Klienten ganzheitlich“, erklärt Jessica Mäkilä, pädagogische Fachkraft im AutismusTherapieZentrum (ATZ) der Lebenshilfe Duisburg. „Bei Kindern beispielsweise ist es wichtig, auch die Familie, Kita oder Schule in unsere systemische Arbeit einzubinden.“

Spielerischer Zugang

Yilmaz‘ Therapiestunden – einer Leistung der Eingliederungshilfe – finden beim ATZ in der Mercatorstraße 58 statt. Die Räume bieten viele Möglichkeiten für einen spielerischen Zugang zu seinem Therapieziel: den Schulalltag zu verbessern. Gemeinsam mit Jessica Mäkilä erstellt er regelmäßig Wochenpläne mit Symbolen für Unterricht, Pausen und Gefühle. So auch heute: Er schnappt sich die Kärtchen und heftet sie zielsicher an die Tage.

Gefühle besser verstehen

Die nächste Aufgabe ist neu: Yilmaz setzt ausgeschnittene Bildteile zusammen. Das Spiel soll den Übergang von der Pause in den Unterreicht erleichtern. „Nehme ich mit“, verkündet er. Seine Therapeutin freut sich: „Ich spreche mit seiner I-Helferin, ob das gut funktioniert.“

Ein weiteres Thema ist die Selbstregulation: Yilmaz soll seine seine Gefühle besser verstehen und erkennen, dass er sie beeinflussen kann. Als Jessica Mäkilä eine kleine Schachtel mit der Aufschrift „Halli Galli“ hervorholt, strahlt er: Das schnelle Kartenspiel liebt er, und es hilft ihm, besser mit Gewinnen und Verlieren umzugehen.

„Ich gewinne oft“, sagt er selbstbewusst. Doch diesmal läuft es nicht nach Plan: Immer wieder schnappt FSJlerin Annika sich die Karten. Als sich eine Niederlage abzeichnet, versucht Yilmaz zu mogeln. Ruhig greift Jessica Mäkilä ein: „Es ist wichtig, dass wir fair spielen.“

Auch bei anderen Dingen setzt sie klare Grenzen: Schnalzen ist okay, Kreischen nicht. „Insgesamt funktioniert das schon viel besser als früher“, sagt sie.

Große Fortschritte

Als die Stunde vorbei ist, springt Yilmaz auf. Und diesmal denkt er sogar daran, seine Jacke mitzunehmen. Jessica Mäkilä lächelt. „Yilmaz hat nach einem Jahr Therapie keine psychosomatischen Symptome mehr und in der Schule einen Freund gefunden – das sind große Fortschritte.“
Nächste Woche ist Yilmaz wieder da – und vielleicht wartet schon die nächste Runde „Halli Galli“ auf ihn.

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