Gemeinsam spielen, gemeinsam wachsen
Warum Gaming Teil von Autismustherapie sein kann
Dieser Blog ist von Autisten für Autisten. Und genau deshalb wollen wir auch über Dinge sprechen, die für Außenstehende vielleicht nicht sofort nachvollziehbar sind. Dazu gehört die Idee, gemeinsames Gaming als Teil von Autismustherapie zu betrachten.
Auf den ersten Blick wirkt das für viele ungewöhnlich. Wie kann „Zocken“ therapeutisch sein? Die Antwort liegt in der Vielfalt des Autismus-Spektrums. Es gibt nicht den einen Weg, nicht die eine Methode, die für alle funktioniert. Unsere Interessen sind unterschiedlich, unsere Wahrnehmung ist individuell – und genau darin liegt auch der Schlüssel.
Viele von uns kennen das Gefühl, mit den eigenen Interessen allein zu sein. Man taucht tief in ein Thema ein, entwickelt eine starke Faszination – doch es fehlt der Raum, diese Begeisterung zu teilen. Statt Austausch gibt es manchmal Rückmeldungen wie: „Schon wieder dieses Thema.“ Das kann frustrierend sein und dazu führen, dass man sich noch weiter zurückzieht.
Dabei ist genau hier ein wichtiger Ansatzpunkt.
Soziale Interaktion ist für viele Menschen im Spektrum eine Herausforderung. Mimik wirkt nicht eindeutig, Worte spiegeln nicht immer das wider, was eigentlich gemeint ist. Oft kostet es enorm viel Energie, andere zu verstehen – und selbst verstanden zu werden.
Was passiert aber, wenn wir diesen Prozess in einen Rahmen verlagern, der sich vertraut anfühlt?
Gaming bietet genauso einen Raum. Ein gemeinsames Hobby schafft eine Verbindung, ohne dass sofort komplexe soziale Erwartungen im Vordergrund stehen. Die Interaktion entsteht „nebenbei“ – beim Spielen, beim Lösen von Aufgaben, beim gemeinsamen Erleben.
In diesem geschützten Umfeld können wir:
- miteinander kommunizieren, ohne dass es sich erzwungen anfühlt
- kreativ sein und eigene Lösungswege entwickeln
- Tipps und Strategien austauschen
- lernen, einander zuzuhören
- mit Gewinnen und Verlieren umgehen
- andere Menschen im Spektrum kennenlernen
- Gemeinsamkeiten entdecken – und Unterschiede besser verstehen
Das, was in der Einzelförderung besprochen und erarbeitet wird, kann hier praktisch ausprobiert werden. Ohne Druck, aber mit echter Motivation.
Gaming ist also nicht einfach nur ein Zeitvertreib. Für viele kann es ein Zugang sein – zu sich selbst und zu anderen.
Und genau darum geht es bei Tech4Autism: Räume zu schaffen, in denen Entwicklung auf eine Weise stattfinden kann, die sich richtig anfühlt.